Sonntag, 1. Februar 2015

Die Gärten des Meeres

Hund Emma war am Meer und die Feld-Damen haben sie begleitet.



12 herrliche Tage auf Sylt. 12 Tage mit Sturm, Sonne, Regen, Schnee, Kälte und Luft, die einen ganz, ganz, ganz kleinen Hauch von Frühling über das Meer schickte.

Es war mal sonnig,


mal neblig


mal kalt, 



mal mild


genug für ein ausgedehntes Spiel am Strand.

Es war sehr schön und nun wird es Zeit, den Blog wieder Richtung Feld auszurichten. Aber wie soll das gehen, wenn noch mindestens sechs Wochen vergehen werden, bis wir den Acker übergeben bekommen und den Feldversuch 2015 starten?

Hund Emma und ihre Nase haben uns darauf gebracht. Es muss im Meer Gärten geben, ganz klar. Woher sollen sonst all die schönen Sachen kommen, die man als Terrier am Strand findet und mit denen man sich so herrlich parfümieren kann.


All die Muscheln und Seesterne können ja nicht einfach so im Wasser herumschwimmen


 und offensichtlich ist auch jeden Tag jemand am Strand unterweges, um die Ernte einzubringen.


Und unser Verdacht wurde bestätigt. In der Nordsee gibt es Felder und die werden von den Bauern des Meeres bestellt.

Bauern des Meeres, so nennen sich die Muschelfischer auf Sylt und Föhr.

Wilde Miesmuschelbänke dürfen in Deutschland seit rund 20 Jahren von den Fischern nicht mehr abgeerntet werden. Die Muschelfischer müssen daher die Muscheln erst eimal säen, bevor sie diese später ernten können. Im Frühjahr schleppen die Fischer an Stahlbügeln aufgehängte Netze, die sogenannten Dregen, einmal über den Meeresboden und die Muschelbänke. Dabei sammeln sie die winzigen Besatzmuscheln ein. Die Winzlinge sind gerade eimal so groß wie Kaffebohnen.  Die Muschelfischer legen die gefangenen Wildmuscheln auf ruhiger gelegenen Kulturflächen im Wattenmeer aus. Da die Minimuscheln durch die Dregen von einander getrennt wurden, haben sie auf den angelegten Muschelbänken mehr Platz zum Wachsen. Die Muschelsetzlinge verankern sich mit ihren Byssusfäden fest am Meeresboden. Das flache Wattenmeer ist das ideale Ackerland für die Bauern des Meeres. Ab einer Tiefe von 10 Metern wird es Miesmuscheln nämlich zu dunkel. Nach zwei Jahren sind die Muscheln etwa 5 Zentimeter lang und reif genug für die Ernte.



Vor der deutschen Nordseeküste gibt es noch 10 Betriebe die mit 13 Kuttern nach Miesmuscheln fischen und die haben es nicht leicht, denn die Bestände an Besatzmuscheln gehen stark zurück. In den Jahren 2006 bis 2008 fingen die Fischer keine tauglichen Besatzmuscheln. Die Naturschützer machen eine Überfischung für den Rückgang verantwortlich. Aber dies allein ist wohl nicht der einzige Grund für das Verschwinden der Muschelbabys. Ein weiterer Grund sind die warmen Winter. Sind die Winter warm, überleben die Räuber der kleinen Muscheln, wie Seesterne und Krabben in größerem Ausmaß und machen den Muscheln und den Fischern das Leben schwer. Die Räuber futtern die Jungmuscheln auf. Gut für die Seesterne, schlecht für die Fischer.

Die Muschelfischer importierten daher bis zum Erlass eines Importverbots Jungmuscheln aus Großbritannien und Irland. Der Import war jedoch unprofitabel: Bis zu 60 Cent mussten die Fischer für ein Kilo Jungmuscheln zahlen. Zehnmal mehr im Vergleich zur selbstgeerneteten Jungmuschel.

Seit dem Importverbot für Besatzmuscheln setzen die Muschelfischer vor Sylt auf eine neue Methode. Im Jahre 2012 wurde vor Hörnum eine - Achtung Wort unbedingt für Scrabble merken - Saatmuschelgewinnungsanlage errichtet. Die Anlage funktioniert so: Wenn Krebse und Seesterne die Jungmuscheln am Meeresboden wegfressen, muss man verhindern, dass sie da hin kommen. Man muss die Jungmuschellarven also fangen, solange sie noch schwimmen. Erspart einem auch das Umpflügen des Meersbodens. Die sog. "Smart-Farm" ist ein riesiges Netz, das an einer ca. 130 Meter langen schwimmenden Kunststoffröhre im Meer hängt. An diesem künstlichen Riff siedeln sich die schwimmenden Jungmuschellarven an und verankern sich mit ihren Haftfäden. Nach einigen Monaten werden die Besatzmuscheln abgeerntet und auf dem Meeresacker ausgesetzt. Sechs bis acht Tonnen haben die Fischer bist jetzt je Netz geerntet. 110 Netzt sind ausgelegt.

Ob man zukünftig allein auf die Gewinung von Jungmuscheln aus Smart-Farmen setzten kann ist jedoch fraglich. Die Anlagen sind teuer. Allein ein Netz kostet 35.000 Euro und man kann nie sicher sein, dass die Muscheln sich wirklich ansiedeln. Orkane können die Netzte zerreißen und Naturschützer klagen gegen die Smart-Farmen.

Bauer des Meeres zu sein und einen Garten des Meeres zu bestellen scheint mir sehr viel mühsamer, als unser Feld zu bestellen. Wir bleiben daher an Land und öffnen für Euch die

Feldküche.

Es gibt was aus den Gärten des Meeres:

Miesmuscheltopf
mit
Curry-Weißwein-Soße


Was man braucht

Für den Muscheltopf

60 gr Butter
2 Zwiebeln
2 Karotten
2 Stangen Lauch
2 kg frische Miesmuscheln küchenfertig
400 ml Weißwein
200 ml Gemüsebrühe
4 EL Muschelgewürz
400 ml Sahne
etwas Speisestärke
Salz
Pfeffer
frisch gepresster Zitronensaft.

Für das Muschelgewürz

12 getrocknete Lorbeerblätter fein zerkrümelt
3 TL Currypulver
9 Pimentkörner
5 Gewürznelken
1 1/2 TL mildes Paprikapulver
1 1/2 TL gemahlener Pfeffer



Wie man es macht

Muschelgewürz

Alle Gewürze in einer Schüssel vermengen. In ein Gewürzglas füllen. Sich daran freuen, dass es so einfach herzustellen ist und so hüsch bunt aussieht. 4  EL für den Muscheltof abnehmen.

Muscheltopf

Mucheln für mindestens eine halbe Stunde in kaltes Wasser legen. Wasser abgießen. Muscheln abspülen. Die Muscheln öffnen sich in dem kalten Wasser. Muscheln daher nach dem Abspülen für 15 Minuten an einen kalten Ort stellen, damit sie sich wieder schließen. Muscheln sortieren, offene wegwerfen.

Butter in einem großen Topf zerlassen. Zwiebel würfeln und Karotten in feine Streifen schneiden (ich bin ja von Natur aus faul und schneide mit dem Sparschäler feine Streifen) und mit dem in Ringe geschnittenen Lauf anschwitzen.

Geschlossene Muscheln in den Topf zum Gemüse geben, mit dem Weißwein ablöschen und mit der Gemüsebrühe auffüllen. Muschelgewürz hinzugehen, dann den Topf abdecken. Muscheln 4 Minuten kochen. Topf an den Griffen festhalten und den Topf hin- und herschwenken. Dabei müssen sich die Muscheln öffnen. Nach dem Schwenken noch einmal 2 Minuten kochen und wieder schwenken.

Muschelsud durch ein Sieb in einen Topf gießen, Sahne hinzufügen und aufkochen. Speisestärke mit etwas kalten Wasser anrühren und den Fond damit abbinden. Mit Salz, Pfeffer und Zitornensaft abschmecken.

Muscheln die sich beim Kochen nicht geöffnet haben wegschmeißen, sie sind verdorben und dürfen nicht gegessen werden. Geöffnete Muscheln in tiefe Teller geben. Etwas Fond darüber geben. Den restlichen Fond in kleine Schälchen füllen und dazu reichen. 

Dazu schmecken Baguette mit Knoblauchbutter und ein Glas gut gekühlter Weißwein.

Menge reicht für 4 Personen



Lasst es Euch schmecken und schaut bald wieder bei uns vorbei.

 Es gibt noch mehr zu berichten von den vielen Wegen auf Sylt und vom Rest der Welt!




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