Freitag, 29. August 2014

Große Knollen, kleine Blätter und Vorurteile


Das Jahr fliegt nur so vorbei.

Nun haben wir bald September und dem Feld ist deutlich anzusehen, dass der Sommer sich dem Ende zuneigt. Der erste kräftige, an den nahenden Herbst erinnernde, Sturm hat viele der Sonnenblumen geknickt, die anderen sind fast verblüht.
  

Noch vor wenigen Wochen war das Feld grün, alles war am wachsen und blühen. Doch jetzt, Ende August, kann man nicht verleugnen, dass der Herbst schon mal ganz vorsichtig anklopft und anfragt, wann er denn kommen darf. Er darf kommen, aber noch nicht so bald. Vorher möchten wir noch unsere Ernte einbringen.

Ich habe immer über die Leute geschmunzelt, die sich mit Stolz geschwellter Brust, einen Arm triumphierend in die Luft gestreckt mit dem soeben gefangenen Fisch fotografieren lassen. Das gleiche milde Lächeln ernteten die Menschen, die der Welt ihre soeben zum größten und schönsten Kürbis der Nachbarschaft prämierten orangefarbenen Bowlingkugeln präsentierten.

Aber, times they are changing.

Ich kann das jetzt schon ein wenig besser verstehen und lasse dazu mal Bilder statt vieler Worte sprechen.



Ja, da sind sie, die Arme der stolzen Feldfrauen.

Nur der Umstand, dass wir wirklich sehr viele Zucchini ernten müssen, und es einfach zu lange dauert, jede Zucchini in die Kamera zu halten, erspart Euch geneigten Lesern eine Flut von "Na-haben-wir-nicht-die-dicksten-Zucchini-Bildern".

Kurz gesagt, das Feld liefert ab: Rote Beete, Zucchini, Kürbisse, Möhren, Sellerie, Lauch, Sonnenblumen, Feldsalat, Mangold. Gemüse haben wir seit mindestens vier Wochen nicht kaufen müssen, mit Ausnahme von Zwiebeln. Unsere Zwiebeln waren so lecker, dass sie leider schon alle aufgegessen sind.

Der Feld-Versuch ist definitiv nicht gescheitert, auch wenn der Sturm unsere Tomatenpflanzen arg gebeutelt hat.


Wir haben auf die freien Flächen des Feldes, auf denen zuvor die Kartoffeln wuschen, Grünkohl gepflanzt und noch ein wenig Feldsalat, Rauke und Zichorie ausgesät. Der Kohl und der Salat sind wahrscheinlich die letzte Versuchsanordnung für dieses Jahr. Erstaunlich, wie schnell der Feld-Versuch 2014 vorübergeht.

Aber 2015 wird der Feld-Versuch in die nächste Runde gehen, wir haben uns schon angemeldet. Nächstes Jahr beackern wir ein großes Feld von 80 qm und freuen uns schon darauf.

Wer Lust hat, sich auch einmal als Saisongärtner zu versuchen, kann sich über die Homepage des Hofcafés Ramcke für die Saison 2015 anmelden.

Doch nun zu den Vorurteilen.

Wie das Bild meines stolz ausgestreckten, mit der roten Beete bestückten Arms beweist, gelingt es mir gelegentlich durchaus, Dinge zu tun, gegen die ich Vorurteile habe. Nicht nur ist es mir gelungen, mich mit Feld-Früchten in der Hand ablichten zu lassen - der Weg dahin war dank heftigen Windes allerdings nicht einfach -



es ist mir am vergangenen Wochenende auch gelungen, nach über 20 Jahren anlässlich eines Betriebsausfluges einmal wieder nach Venedig zu fahren, obwohl ich gegen Italien und insbesondere gegen Venedig extreme Vorurteile habe: Voll, eng, laut, heiß, Kanäle stinken, Tauben beschmutzen einem das Haupt, Restaurantbesitzer versuchen einen zu besch......, ein Cappuccino kostet € 9,00.

Einiges davon stimmt leider. Sowohl das Hotel als auch das Restaurant, an dem wir am Samstagabend gefeiert haben, haben bei der Rechnungsstellung doch eher großzügig und zu ihrem Vorteil abgerechnet bzw. versucht, uns mal eben 77 Gin-Tonics in Rechnung zustellen, obwohl wir nur 7 Gin-Tonic getrunken haben. Und ja, im Hotel hat der Cappuccino nicht € 9,00, sondern sogar € 10,00 gekostet und für eine Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln zahlt man  € 7,00, unverschämt. Voll ist es auch, insbesondere auf und um den Markusplatz herum hat man das Gefühl, man sei am Ballermann. Leider sehen auch die meisten Touristen die dort die Tauben füttern so aus und benehmen sich so, als wären sie am Ballermann. 

Und nun kommt das große "ABER".

Venedig hat mich gepackt. Schwupps, gleich nach der Ankunft am Flughafen, auf dem Weg mit dem Wassertaxi zum Hotel, hat es sich meine Vorurteile geschnappt und in den Tiefen der Lagune versenkt. Die Sonne schien vom strahlend blauen Himmel, wir brausten in einem schicken Boot über das milchig-türkis schimmernde Wasser der Lagune auf die Stadt zu, warmen Fahrtwind und die Sonne im Gesicht während die Stadt mit ihren Kirchtürmen, Kuppeln und Palästen immer näher kam. Eine Ankunft wie aus dem Bilderbuch oder besser wie aus einem Film.


 

 

Drei Tage lang bin ich dann durch die Stadt gelaufen, mit immer größerer Begeisterung für diese Stadt, deren Kirchen, Paläste, Plätze und Gassen so unwirklich schön sind, dass ich mich immer mal wieder umgeschaut habe, ob da nicht doch eine Filmcrew steht und einer ruft: Klappe, das war´s Szene ist im Kasten. Abseits der bekannten Sehenswürdigkeiten hat mir Venedig gezeigt, dass es nicht nur aus Postkartenmotiven und Tauben besteht, sondern eine erstaunlich junge und moderne Stadt ist. Leider hatte ich nicht so viel Zeit, wie ich gerne gehabt hätte, um in aller Ruhe einfach so durch die Stadt zu streifen, ohne Stadtplan und ohne das Ziel möglichst alle Museen in drei Tagen abzuhaken.















Besonders begeistert war ich von den vielen kleinen, teilweise öffentlichen Gärten und vom Serra dei Giardini, einem großen restaurierten Gewächshaus im Stadtteil Castello in der Nähe des Biennale Geländes.

Das Gewächshaus wurde 1894 gebaut und diente über hundert Jahre dazu,  Palmen und andere empfindliche Pflanzen zu überwintern, die im Sommer die Blumenbeete des Biennale Geländes, die Beete auf dem Lido und die Beete in ganz Venedig zierten. Auch der venezianische Adel ließ hier die Pflanzen hegen und pflegen, die zu besonderen Anlässen die Paläste schmückten. Anfang der 1990 Jahre wurde das Gewächshaus geschlossen und verfiel in den kommenden Jahren, bis es 2010 durch die Stadt Venedig wieder aufgebaut wurde. Heute wird es durch die Cooperative Nonsoloverde betrieben, deren Hauptaufgabe in der Erhaltung der öffentlichen und privaten Grünanlagen Venedig liegt. Man kann im Serra dei Giardini Pflanzen, Gartenwerkzeug und Literatur über die Gärten Venedigs kaufen, sich Ausstellungen ansehen oder einfach gemütlich etwas im Restaurant-Café essen und trinken. Wirklich sehr schön und stilvoll. Ich musste natürlich etwas kaufen, und da ich schlecht einen großen Topf Basilikum mit ins Flugzeug nehmen konnte, habe ich ein Tütchen Basilikumsamen für das Feld 2015 gekauft.

 




Kurz und knapp. Venedig war toll, ich will wieder hin, am liebsten gleich morgen, realistisch irgendwann im nächsten Jahr.

Eile besteht nicht, denn




Und da ein Stadtbummel hungrig macht, öffnen wir schnell noch die Feld-Küche und backen ein Brot ohne Mehl und Ei.

Die Feld-Küche hat geöffnet!

Körner-Nuss-Brot
ohne Mehl und Ei

 
Was man braucht:

135 gr Sonnenblumenkerne
90 gr Leinsamen
65 gr Haselnüsse oder Mandeln
145 gr Haferflocken zart,
4 Tl Flohsamen, gibt es im Bio-Laden, ohne die Flohsamen funktioniert es nicht, er ist die "Klebe",
Trockenfrüchte wie Datteln oder Aprikosen, ganz nach Eurem Geschmack,
1 TL Meersalz
1 TL Honig
3 Tl Olivenöl
350ml Wasser

Wie man es macht

In einer Silikonform (Kastenform) vermischt man zunächst alle trockenen Zutaten.

Verrührt dann in einem Rührbecher den Honig mit dem Wasser und gibt es zu den trockenen Zutaten. Gut vermischen, bis die Flüssigkeit vollständig aufgesogen ist und der Teig dick und klebrig ist.

Dann die Trockenfrüchte in die Mitte des Teigs drücken und die Oberfläche mit der Rückseite eines Esslöffels glätten.

Den Teig mindestens 2 Stunden, besser über Nacht, quellen lassen. Um sicherzugehen, dass der Teig fertig ist, zieht die Seiten der Form etwas vom Teig ab. Wenn er in Form bleibt, ist er fertig.

Ofen auf 175°C vorheizen, Ober- und Unterhitze.

Die Form auf einem Rost auf die mittlere Schiene geben und für 20-25 Minuten backen. Brot vorsichtig aus der Form nehmen, umdrehen und auf einem Blech für 30-40 Minuten fertig backen. Das Brot ist gut, sobald es, wenn man dagegen klopft, hohl klingt.

Aus dem Ofen nehmen und vollständig (ganz wichtig, sonst bröckelt es auseinander) auskühlen lassen, bevor Ihr es anschneidet.








 
Das Brot ist ungewöhnlich aber sehr, sehr lecker. Es schmeckt wirklich völlig anders als man es von einem Brot erwartet. Nur nach Nüssen, Kernen und leicht süßlich nach den Früchten.

Extrem gesund und super zu Käse!!!!!








Gutes Gelingen!!

Kerstin

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