Samstag, 21. Juni 2014

Weniger Meer


Die große Hitze der ersten Woche endete mit einem großen Knall. Am vergangenen Samstag gab ein prächtiges Gewitter, dass einige nicht ganz so sonnige und heiße Tage einläutete.

Schon gegen Mittag zogen die ersten dicken Gewitterwolken auf und kündigten an, was da noch kommen sollte. Ein schöner Grund, einmal nicht an den Strand zu fahren, sondern das schöne Hinterland zu erkunden und den Orten Gassin, Ramatuelle und den Moulins de Paillas unsere Aufwartung zu machen. 

Nur 10 Minuten Autofahrt von La Croix Valmer entfernt liegt Gassin auf einem der vielen dicht bewaldeten Hügel. Von der Vereinigung Les Plus Beaux Villages de France wurde Gassin zu einem der schönsten Dörfer Frankreichs erklärt.  Ob es nun wirklich zu den schönsten Dörfern gehört kann ich nicht beurteilen. 

Was auffällt ist, dass sich Gassin wie viele der Dörfer in der Umgebung aus zwei Teilen zusammensetzt. Dem nüchtern modernen Teil mit den Einrichtungen des öffentlichen Lebens, wie Schule, Ärztehaus, Supermarkt etc. und dem alten Ortskern. Der alte Teil von Gassin ist wirklich nett anzuschauen. Schmale Gassen, schmucke alte Häuser und vor allen Dingen ein spektakulärer Blick über Weinberge, Wälder und den Golf von Saint-Tropez bis zu den Îles d'Hyères, dem Massif des Maures und, wenn nicht gerade Gewitterwolken die Sicht einschränken, sogar bis zu den schneebedeckten Gipfeln der französischen Alpes Maritimes. Mit den ersten dicken Regentropfen kamen wir in Gassin an und begleitet vom Donnergrollen sind wir durch den Ort geschlendert. 







Nach einer Stunde hat man aber wirklich alles gesehen und kann sich entweder in einem der vielen Restaurants mit Ausblick stärken oder sich getrost auf den Weg nach Ramatuelle machen. Gassin ist schön, nur irgendwie auch ein wenig langweilig, da es außer der Kirche nichts zu besichtigen gibt. Den botanischen Garten haben wir trotz der vielen Hinweise nicht gefunden.  





Anders als in Ramatuelle gibt es bis auf einen Andenken und Postkaren vertreibenden Kitschkiosk auch keine Läden die zum Stöbern einladen und wenn ich mir unsere Shopping-Ausbeute der letzten Wochen so anschaue, ist das für uns wohl doch nicht ganz unwichtig. 

Nach einer gewittrigen Zwangspause im Auto auf dem Parkplatz von Gassin machten wir uns daher auf den Weg nach Ramatuelle.

Von Gassin aus führt eine Straße über die Hügel nach Ramatuelle, vorbei an den Moulin de Paillas, die nach ihrem letzten Müller, Jean Baptiste Paillas, benannt wurden. Schon allein wegen der wunderschönen Ausblicke auf die Landschaft lohnt die Fahrt, aber auch ein Halt an den Moulin de Paillas ist durchaus zu empfehlen, denn von hier oben liegt einem wieder die ganze Halbinsel von Saint-Tropez zu Füßen und die Mühle ist nett anzusehen. Apropos Füße. Ein Blick auf selbige führte dazu, dass wir sehr schnell wieder ins Auto gestiegen sind. Der Boden war von nicht so schön anzusehenden Krabbeltieren unbekannter Art übersät. Wer fand die toll? Hund Emma fand die Burschen toll. Wir eher nicht so. Wie sagt Doris dann immer so treffend: Zuviel Wildnis.





Kurz noch zu den Mühlen.

In den Moulin de Paillas,  die zwischen dem 16. und dem 18. Jahrhundert errichtet und betrieben wurden, wurde früher Weizen gemahlen. Neben den Moulin de Paillas gibt es in der Umgebung noch die Mühlen von Pampelonne. Heute sind alle Mühlen bis auf eine der Moulin de Paillas verfallen. Diese Moulin de Paillas wurde 2002 wieder aufgebaut und restauriert und soll auch wieder funktionstüchtig sein, was wir mangels Weizen und Zutritt zur Mühle aber nicht bestätigen können. 

Das Ziel der Krabbeltier-Route war nach kurzer Fahrt erreicht: Ramatuelle, mein Favorit unter den Dörfern der Umgebung. 

Der Name des Dorfes soll aus der Zeit der Besetzung durch die Sarazenen, einem arabischen Volksstamm, stammen. Rahmatu’llah bedeutet auf Arabisch so etwas wie göttliche Gemeinde.

Recht hatten sie, die Sarazenen. Wunderschöne mittelalterliche Gassen, viel einladendere Restaurants als in Gassin, nette kleine Läden in denen es nicht nur kitschige zirpende Steingut-Grillen, sondern schöne Dinge gibt, u.a. den Wein vom Weingut La Tourraque, köstlich. Auch fällt in Ramatuelle die Teilung zwischen neuem Ortsteil und historischem Ortskern nicht so sehr auf, sondern der gesamte Ort wirkt wie eine lebendige Einheit. Donnerstags und Sonntags ist Markt, der jetzt im Juni noch nicht überlaufen ist und auf dem ich natürlich wieder nicht widerstehen konnte und den dritten Bikini der Marke BLU und ein weiteres Paar Sandalen am Stand von Les belle Sandales kaufen musste.






Ach ja und auch für die Feld-Damen gab es was zu sehen. Urban Gardening a la Ramatuelle 






und ein Treffen der wohl schönsten Vogelscheuchen Frankreichs!



So verändert das Feld die Wahrnehmung!

Und da der Mensch ja auch was essen muss, öffnen wir mal geschwind die Feld-Küche.
Inspiriert von einem Rezept aus der Côté Sud und den Coco Rouge Bohnen, die mich auf dem Markt anlachten, gibt es Bohnen-Hühnchen-Tajine





Bohnen-Hühnchen-Tajine 

Was man braucht

Für zwei Personen

500 gr Erbsen frisch
500 gr Coco Rouge Bohnen frisch
300 gr Kenia Bohnen
1 Zitrone
1 große Zwiebel
1/2 Bund Koriander
1/2 Bund Petersilie
1 Knoblauchzehe
Piment Espelette oder scharfes Paprikapulver
300 gr Hähnchenbrustfilet
1/2 altbackenes Brötchen
1 Becher Milch
1 Ei
Olivenöl
Wasser

Wie man es macht

Das Brötchen in der Milch einweichen.

Das Hähnchenbrustfilet in kleine Stücke schneiden und entweder mit dem Fleischwolf  oder in der Küchenmaschine zu Hackfleisch verarbeiten. 

Koriander und Petersilie fein hacken. Zitronen waschen und von ca. 1/4 die Schale fein abreiben, die Zitrone in Spalten schneiden. Zwiebel schälen und fein hacken.


Brötchen aus der Milch nehmen und gut ausdrücken. 

Fleisch mit dem Brötchen, dem Ei, der Zitronenschale, dem Koriander, der Petersilie, Salz, Pfeffer und der Hälfte der Zwiebel gut vermischen und aus der Masse kleine Hackklöße formen. Kühl stellen.

Bohnen und Erbsen auspaalen, Keniabohnen putzen. Knoblauch hacken. Zwiebeln in einer tiefen Pfanne in Olivenöl anbraten, den Knoblauch, die Bohnen und die Erbsen dazugeben und ebenfalls kurz anbraten. Einen Becher Wasser dazugeben, Deckel auf die Pfanne legen und das Gemüse für 15 Minuten dünsten. Mit Piment Espelette, Salz und Pfeffer abschmecken. 









Gemüse in eine Auflaufform geben. Die Hackbällchen auf das Gemüse legen, Zitronenspalten dazugeben und im Ofen bei 180°C für ca. 20 Minuten backen bis die Hackbällchen gar sind. Wenn das Gemüse oder die Hackbällchen (wie bei mir) zu dunkel werden, Alufolie über die Auflaufform legen.

Mit einem Glas gut gekühlten Rosé und Baguette genießen und nicht traurig sein, dass die schönen Coco Rouge nach dem Kochen wie simple weiße Bohnen aussehen, sie schmecken sehr lecker. 






A bientôt 


Kerstin

Kommentare:

  1. hahaha, ich hätte gern die 2. Haarpracht oben links

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    1. Huups, Dein Kommentar ist verrutscht! Hast Du den besonderen Frisuren-Haben-Wir-Auch Marktstand in "Mehr Meer !" kommentiert? Also wenn Du so eine Haarpracht gern hättest, dann schaun wir mal, was sich da machen lässt. Du musst sie dann aber auch tragen!

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