Mittwoch, 21. Mai 2014

Blick über´n Feldsaum

Heute werfe ich den ersten Blick über den Feldsaum, dem noch viele folgen sollen.

Wir - die Saisongärtner - sind nicht allein. Ganz im Gegenteil, es gibt sie überall auf der Welt, die Felder und Gärten in der Stadt und die Menschen, die die Stadt grüner und fruchtbarer machen und ihr eigenes Gemüse ziehen.

Was uns mit diesen Projekten verbindet, ist unser Gemüse und der Umstand, dass wir Städter sind, die keinen eigenen Garten haben, aber trotzdem erfahren wollen, wie das so ist mit der Landwirtschaft. Dass wir uns mit Fragen beschäftigen, die bisher in unserem Leben so gar keine Rolle gespielt haben. Themen wie Pflanzabstände, Unkraut jäten und die Erkenntnis, dass es verdammt lange dauert, bis aus dem ersten Keim eine richtige schöne rote Rübe wird. Auch wenn wir unseren Feld-Versuch nicht direkt in der Stadt durchführen, sondern auf einer schon immer landwirtschaftlich genutzten Fläche ein wenig außerhalb der Stadt, ist der Feld-Versuch für mich daher doch so etwas wie Urban Gardening. Der Feld-Versuch bringt zwar nicht die Natur in die Stadt, aber er bringt die Natur in mein städtisches Leben.




Dass ich damit wie schon so häufig unbewusst einem Trend folge, wurde mir am letzten Wochenende gleich zwei Mal bewusst. Unser Freund Andreas schickte mir einen Link zur FAZ vom 21. Mai 2014 und am Kiosk stieß ich auf das neuste Heft der Szene Hamburg mit dem Titel Hamburgs grüne Anlagen, Parks und Gartenkultur vom Barock bis zum Urban Gardening.
  
Neu ist der Trend zum Garten in der Stadt nicht. Das, was wir heute als Urban Gardening bezeichnen hat seinen Ursprung im New York der frühen 70. Jahre. Anfang der 70. Jahre befanden sich die USA in einer schweren Wirtschaftskrise. In New York City standen viele Häuser leer, verfielen oder wurden abgerissen. Es entstanden große innerstädtische Brachflächen, ungenutzt und verwildert. 1973 begannen die Aktivisten einer Non-Profit Organisation Green Guerillas die heute bei uns professionell vermarkteten "seed bombs" - Päckchen bestückt mit Dünger, Samen und Wasser -  über die Zäune auf die Brachflächen zu werfen, um die dem Verfall anheimgegeben innerstädtischen Flächen zu begrünen.

Gegründet wurden die Green Guerillas von Liz Christy. Christy lebte auf der Lower East Side von Manhattan. Sie verbrachte ein Jahr damit gemeinsam mit anderen Freiwilligen Brachflächen in der Mott Street und an der Ecke Bowery und Houston Street in der Lower East Side von Müll und Unrat zu befreien, Mutterboden aufzubringen, das Gelände einzuzäunen und dort mit dem Gärtnern zu beginnen. Im April 1974 verpachtete die Stadt New York die Flächen für eine Miete von $1 pro Monat an die Aktivisten, die dort den ersten Community Garden, den "Bowery Houston Community Farm and Garden", schufen. Sie legen 60 Gemüsebeete an und pflanzten Bäume. Das Projekt wurde ein großer Erfolg und die Green Guerillas begannen Workshops anzubieten, teilten das von ihnen gezogene Gemüse mit der Nachbarschaft und spendeten Pflanzen an andere innerstädtischen Gärten.

Die Green Guerillas schufen mit dem "Bowery Houston Community Farm and Garden" die Keimzelle, für die mehr als 600 Community Gardens die es heute in New York City gibt. 

Die Stadt New York bemerkte bald, dass es sich lohnte, die Pflege und den Erhalt städtischer Flächen seinen Bürgern zu überlassen und legte 1978 das Green Thumb Programm auf, das die diversen Projekte in der Stadt koordiniert und unterstützt. Flächen wurden für teilweise nur $ 1 pro Jahr an die Bürger vermietet und es entstanden so diverse Grünflächen in der ganzen Stadt, die zur positiven Entwicklung der Stadteile und von ganz New York wesentlich beitrugen.

Die Stadt behielt sich jedoch an allen Flächen das Recht vor, diese jederzeit auch für andere stadtplanerische Zwecke zu nutzen.

So kam es, wie es kommen musste. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung begann die Stadt New York in den 90igern die Grünflächen als Bauland an Investoren zu verkaufen. Der Kampf um die Community Gardens begann, und er war erfolgreich. 400 der 600 Community Gardens konnten gerettet und zum Teil sogar angekauft werden.

Heute ist Green Thumb das größte Urban Gardening Programm der USA. Es unterstützt über 600 Gärten mit fast 20.000 Gärtnern in der gesamten Stadt New York. Die Gärten haben zusammen eine Fläche von über 129.000 qm.

Den Verfall, den New York in den frühen 70. Jahren erlebte, erlebt Detroit heute, und wie in New York entstehen auch in Detroit Urban Gardening Projekte wie z.B. die Earthworks Urban Farm oder die Georgia Street Community

In Hamburg sind Community Gärten in auf einer Fläche wie in New York noch nicht vorstellbar. Aber auch bei uns vor der Haustür gibt interessante Projekte, zum Beispiel diese:

Das Gartendeck, ein temporärer, urbaner Garten in der Großen Freiheit, zwischen St.Pauli Druckerei und dem Indra.

Hof vorm Deich, ein Projekt in den Vier- und Marschlanden,

Die Keimzelle, im Hamburger Karolinenviertel auf dem Westende des Ölmühlenplatzes, lässt auf dem Areal der Alten Rindermarkthalle an der Feldstraße einen Gemüsegarten entstehen.

Die Kunstnomadin, ein Projekt von Kathrin Milan in Wilhelmsburg.

Ich habe mir vorgenommen, mir diese Projekte in den kommenden Wochen anzusehen und werde dann über meine Besuche berichten.

Aber nun mal schnell auf´s Feld.

Die Eisheiligen sind vorbei und wir haben die nächsten Pflänzchen auf das Feld gebracht.

Die auf dem Balkon vorgezogenen Tomaten haben ihren Platz eingenommen, zusammen mit zwei gekauften Tomatenpflanzen. Mal sehen, wer vom Ertrag her das Rennen macht. Hoffentlich werden die Pflänzchen größer als die Standhilfen die wir ihnen auf dem Feld gelassen haben, noch sind die Stäbe viel höher als die zarten Pflänzchen. Strengt euch an liebe Tomaten.


Anstrengen muss sich auch der Spinat. War er bisher der Star unter den Feld-Früchten, hat die zweite Maiwoche ihm gar nicht gut getan und er sieht kläglich aus. Viele Blätter sind gelb und haben deutliche Fressspuren, kleine runde Löcher. Das waren keine Hasen, das war was anderes, aber was? Einmal wieder haben wir darauf keine Antwort.

Ich muss zugeben, dass mich die Entwicklung der Feld-Früchte im Moment nicht gerade euphorisch stimmt. Was die Schnecken und Hasen nicht fressen, wächst nur zögerlich. Erwarte ich zu viel, bin ich zu ungeduldig? Ich habe immer die Bilder von unserem ersten Besuch auf dem Feld im Oktober 2013 vor Augen. Was waren die Parzellen grün und schön und voller Gemüse, sogar noch im Oktober! Ich kann mir gerade nicht vorstellen, dass unsere Feld-Früchte jemals so aussehen. Aber ich will nicht meckern, es gibt definitiv eine gute Nachricht. Der Kohlrabi hat es geschafft, bzw. er ist auf dem besten Wege der Besserung. Es zeigen sich wieder richtige Blätter, wo noch vor zwei Wochen nur einige schlappe Blättchen auf dem Feld lagen.


Schutz gegen die langohrigen Gourmets und die mit dem hübschen Häuschen auf dem Rücken ist wohl doch erforderlich, wollen wir irgendwann in der Feld-Küche unser eigenes Gemüse verarbeiten.

Wir haben es daher getan!

Wir haben Kaninchendraht gekauft und einen Gemüsezwinger aufgestellt. Gefallen tut mir das gar nicht. Ich wollte ein Feld, das eben nur ein Feld ist und kein Hochsicherheitstrakt. Aber ich will natürlich auch Gemüse und nicht die Feldhasen durchfüttern. Der Gemüsezwinger steht daher nun erst einmal und wir werden beobachten, ob die Hasen verstehen, dass das unser Kohlrabi, Brokkoli und Mangold ist. Leider reichte der Draht nicht aus, um auch den Spinat einzuzäunen. Nächstes Wochenende werden, wir den Zwinger daher noch erweitern.



Am kommenden Wochenende werden wir die selbst gezogenen Kürbispflanzen auf das Feld bringen und die Zucchini aussäen. Mit etwas Glück könne wir den ersten Salat ernten. Na das wäre was!

Apropos Salat! Hat denn ..... ? Ja sie hat, die

Feld-Küche hat geöffnet!

Es gibt eine vegetarische Vorspeise, die kleinen Bete Burger mit grünem Bohnenmus und einen Spinat-Spargel-Flan mit Lachs.


Bete Burger mit grünem Bohnenmus und Ziegenkäse

Was man braucht

Für die Bete Burger

4 kleine Rote Bete vorgekocht/vakuumiert oder roh
1 Dose weiße Bohnen
1/2 Bund Kräuter für Frankfurter grüne Soße (Pimpinelle, Kresse, Kerbel, Schnittlauch, Petersilie, Borretsch und Sauerampfer)
1 Zitrone
2 Knoblauchzehen
1 EL Olivenöl
Salz
Pfeffer
1 Prise Zucker 

Für das Dressing

1 El Olivenöl
Fruchtessig, ich verwende gern den Birnenessig mit Vanille von Popol
Salz
Pfeffer

Ziegenkäse als Topping

Wie man es macht 

Rote Bete im Ganzen kochen, schälen und in Scheiben schneiden. Verwendet man vorgekochte Rote Bete diese in Scheiben schneiden.

Für das Bohnenmus die weißen Bohnen abgießen und die Flüssigkeit auffangen. Knoblauchzehen grob hacken. Eine Hälfte der Zitrone auspressen.  

Kräuter waschen, Stile entfernen und die Kräuter etwa zerrupfen. In einen Mixer geben, gehakte Knoblauchzehen dazugeben und mit etwas von der aufgefangenen Bohnen-Flüssigkeit mixen. Wenn die Kräuter gut zerkleinert sind, die Bohnen und den Saft einer halben Zitrone dazugeben, mit den zerkleinerten Kräutern gut durchmixen bis ein cremiges Mus entsteht. Salzen und pfeffern und eventuell etwas Zucker dazugeben.
 
Auf einen Teller die Hälfte der geschnittenen Rote Bete auslegen. Bohnenmus auf die Scheiben geben. Je mit einer weiteren Scheibe Roter Bete bedecken und die Bete Burger mit etwas Ziegenkäse krönen. 
Für das Dressing die Zutaten verrühren und über die Bete Burger geben.






Und da der Frühling uns noch immer leckeren Spargel schenkt, serviert die Feldkücke einen 




Spinat-Spargel-Flan mit Lachs

Was man braucht

6-8 Stangen grünen Spargel
ca. 200 gr frischen Spinat
150 ml Milch
200 ml Sahne
2 Knoblauchzehen
4 Eier
Muskatnuss
2 schmale Lachsfilets ohne Haut
Salz 
Pfeffer

Wie man es macht

Beim Spargel etwa 1/3 vom unteren Ende des Spargels schälen und Enden abschneiden. Spargel in Stücke schneiden. In der Milch und der Sahne mit etwas Salz kochen. Aus der Milch-Sahne Mischung nehmen und etwas abkühlen lassen. 

Spinat gut waschen und Stile entfernen, wenn diese hart sind. Spinat in der Milch-Sahne Mischung kurs aufkochen, herausnehmen und abkühlen lassen.

Spargel und Spinat mit dem Knoblauch und der Milch-Sahne Mischung im Mixer pürieren. In eine Schüssel geben, Eier verrühren und unter die Mischung geben. Salzen und pfeffern. 

Den Lachs in Würfel schneiden, salzen und entweder in eine große Auflaufform oder in 6 bis 8 (je nach Größe der Formen) kleine feuerfeste Förmchen geben. Die Spargel-Spinat-Eiermasse darüber geben und im vorgeheizten Ofen (180°C Umluft) ca. 15 bis 20 Minuten backen. Backt man den Flan in einer großen Auflaufform sind es eher 20-25 Minute, in kleinen Förmchen eher 15 Minuten. 

Verwendet man kleine Förmchen, kann man den Flan nach dem Backen auf einen Teller stürzen. 




Lasst es Euch schmecken.

Bis nächste Woche!

Kerstin

1 Kommentar:

  1. Da hatte ich in meiner Mittagspause ja einiges zu lesen :D Wunderbar, mehr davon!

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